Rechte Netzwerke – am Beispiel von „Revolte auf Beton“

Recherchen des Westdeutschen Rundfunks haben die personellen Netzwerke zwischen NPD, AfD und Identitärer Bewegung (IB) für Teile der Öffentlichkeit deutlich präsentiert. [1] Exemplarisch lässt sich anhand der Gruppe „Revolte auf Beton“ nachvollziehen, dass es rechte Netzwerke, in denen neben NPD und IB auch EinProzent, die offen NS-verherrlichende Partei „Der III. Weg“, Philipp Stein und militante Nazigruppen miteinander verbunden sind, gibt. Weiterhin suchen diese Netzwerke die Zusammenarbeit mit offen faschistischen Gruppierungen wie Casa Pound oder Chrysí Avgí (Goldene Morgenröte/Golden Dawn). Dabei treten die Personen nicht besonders klandestin auf und die Netzwerkbildung geschieht letztlich zu wesentlichen teilen unter unseren Auge auf Facebook, Twitter oder Instagram.

Ausgehend von ein paar Beobachtungen eines Twitterer, nahm ich den Onlineauftritt dieser Gruppe näher unter die Lupe. Die jeweiligen Bezüge werden in gesonderten Abschnitten aufgedröselt. Zwar gibt es zwischen bspw. III. Weg und militanter Naziszene Überschneidungen, aus Gründen der Übersichtlichkeit wird jedoch diese künstliche Trennung beibehalten werden.

Gemäß der Selbstbeschreibung [2,3] handelt es sich bei „Revolte auf Beton“ um völkische Nationalisten, die zwischen verschiedenen „Lagern und Anschauungen“ der politischen Rechten vermitteln will. So heißt es deshalb: „Vielleicht sind wir Konservative, vielleicht Sozialisten. Vielleicht sind wir Reaktionäre, vielleicht sind wir Revolutionäre.“

Gliederung
1.) NPD
2.) III. Weg
3.) IB
4.) EinProzent & andere „Neurechte“
5.) Militante Naziszene
6.) International
7.) Sonstige Bezüge
8.) Fazit

1.) NPD
„Revolte auf Beton“ besitzt mit „Gemeinschaft durch Tatwille“ eine offizielle Facebookgruppe.

Mitglieder dieser Facebookgruppe sind unter anderem der stellvertretende Vorsitzende der NPD Eichsfeld und Stadtrat Matthias Fiedler.

Fiedler ist u.A. Admin einer vorgeblichen Seite gegen Kindesmissbrauch, die jedoch der Verbreitung rassistischer Inhalte dient. [4] Außerdem war er Teilnehmer des Kasseler Pegidaablegers Kagida [5] und warb für den Naziaufmarsch „Tag der deutschen Zukunft 2014″ [6]. Fiedler ist übrigens auch in der eingangs erwähnten WDR-Reportage zu sehen.
Ein weiterer NPD-Kader, dem „Revolte auf Beton“ „gefällt“, ist Patrick Schröder.

Schröder ist Betreib des FSN.tv und FSN-Versand, einschlägig vorbestraft und gilt als Prototyp des Nipster. [7]
Neben Fiedler und Schröder interagiert auch der NPD-Kreisrat Manuel Tripp mit der Seite.

Tripp war zunächst Stadtrat in Geithain und unterhält gute Kontakte in die Kameradschaftsszene, da er maßgeblich am Aufbau des „Freien Netz“ beteiligt war. [11,12]

Vermutlich gibt es weitere NPD-Kader im Umfeld, jedoch habe weitere Namen nicht erkannt.

2.) Der III. Weg

Der III. Weg ist eine rechtsradikale Kleinpartei, die starke inhaltliche Nähe zur NPD aufweist und als möglicherweise legale Fortführung des Freien Netz Süd konzipiert war. [8] Auf den Demos dieser Partei lässt sich offene Verherrlichung des Nationalissozialismus beobachten. [9] Weiterhin ist die Partei Urheberin der berüchtigten Karte, welche sämtliche Unterkünfte für Geflüchtete verzeichnen wollte. [10]
Sich selbst bezeichnet die Partei als „nationalrevolutionär“ und stellt „Revolte auf Beton“ ausführlich vor und interviewt die Gruppe.

3.) IB

Zwar grenzen sich die Kader von IB wortreich von Gewalt und militanter Neonaziszene ab, jedoch scheinen sie abseits von öffentlichen Verlautbarungen weniger Probleme damit zu haben.

Verglichen mit den beiden zuvor genannten Parteien sind die (gegenseitigen) Bezugnahmen im Fall der IB deutlich ausgeprägter.



Verschiedene Kader der IB folgen auf Instagram „Revolte auf Beton“ darunter sind: Dorian Schubert („dorianschub“, Kontrakultur Halle), Julian Utz („heimatwacht“ [13], IBÖ, Mitglied Theoriegruppe) und Alina Wychera („alina.rauheneck“, IBÖ). Außerdem scheint „Revolte auf Beton“ ebenfalls Interesse an Kadern der IB zu haben, da sie neben der IBÖ, der IB Tschechien und dem Kontrakultur-Halle-Projekt „Laut Gedacht“ auch einzelnen Kadern folgt.


Zusätzlich zu den genannten Kadern folgt „Revolte auf Beton“ auf Instagram noch Philipp Huemer („philipp_ib“, IBÖ), Patrick Lenart, („patrick_len“, Kovorsitzender IBÖ), Martin Sellner (IBÖ), Philipp Thaler (Kontrakultur Halle), Alex Malenki (Kontrakultur Halle, IB Leipzig) und Melanie Schmitz („mimiforgeronne“, Kontrakultur Halle).

Mit Armin Fuhrmann ist der Leiter der IB Westfalen Mitglied der Facebookgruppe.

Weiterhin aufschlussreich ist folgender Post der „Revolte auf Beton“. Hier werden IB, die italienischen Faschisten von Casa Pound (dazu später mehr) und Pegida als Verbündete der Gruppe im imaginierten Kampf um Europa dargestellt.

4.) EinProzent und andere „Neurechte“

Wie das Hamburger Bündnis gegen Rechts öffentlich machte, war Revolte auf Beton zumindest für eine gewisse Zeit Teil der Netzwerke von EinProzent um Götz Kubitschek, Philipp Stein und weiteren. [14]

Bei Betrachtung der Facebookseite fällt zunächst der Header auf, dabei handelt es sich um ein Auftragswerk von „Wolf PMS“. Dieser Künstler wird auch nochmals explizit auf der Facebookseite beworben. Interessant hierbei ist, dass er Speaker auf dem Europäischen Forum Linz war [15], einem Vernetzungstreffen der extremen Rechten von IB über NPD zur FPÖ. [16] Wolf PMS unterstütze auch den Volkshilfe e.V. mit seinen Werken [19]. Der Verein versucht karikative Arbeit von rechts zu machen [17] und rekrutiert sich nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums aus Personen, die den Autonomen Nationalisten zuzuordnen sind. [18]

Weiterhin bewirbt Revolte auf Beton den Jungeuropa Verlag von Philipp Stein aus Dresden, der ebenfalls beim Europäischen Forum in Linz teilnahm. [20] Gleichzeitig bewirbt der Jungeuropa Verlag Revolte auf Beton.


5.) Militante Naziszene

Neben den Bezügen zu so genannten „Neurechten“, wie Kubitschek, Stein oder der IB und den Bezügen zu rechten Parteien, wie NPD und Der III. Weg, gibt es auch Anknüpfungspunkte in die nicht-parteigebundene militante Naziszene.

Beispielsweise verkauft Revolte auf Beton über den Onlineshop Revoltopia Merchandise und bewirbt die Facebookpräsenz dieses Versandes.


Andere Produkte, die dort verkauft werden sind Plakate und Broschüren des Antikapitalistischen Kollektives. Dabei handelt es sich um eine Form der Autonomen Nationalist_innen, der auf Aufmärschen äußerst gewaltsuchend agiert. [21]

Konkret scheint Revolte auf Beton insbesondere mit folgenden Nazigruppen zu interagieren: Nipster-Blog, Stream-BZ

Bei Aktionsblog finden sich positive Bezüge auf den NS und speziell den Straßenterror der SA während der Weimarer Republik. Diese Gruppe orientiert sich stilistisch am „Rechten Plenum“ aus Chemnitz. Als Leseempfehlung dazu das Komplettouting [22]. Ein Mitglied der Chemnitzer Gruppe Rechtes Plenum folgt Revolte auf Beton bei Instagram unter dem Namen „luxmaedchen“. (siehe Screenshots unter „IB“)

Stream-BZ ist eine der Gruppen, die in Bautzen an der Schaffung einer „national befreiten Zone“ arbeiten und direkt an den Übergriffen gegen Linke und Geflüchtete im September und auch darüber hinaus beteiligt waren. [23,24]

Die Veröffentlichung von Sicherheitshinweisen durch Revolte auf Beton legt Nahe, dass es nicht ausschließlich um eine Vermittlung der Theorie geht, sondern auch um praktische Tipps für aktionistische Gruppen. Hierbei wird auf eine entsprechende Seite verwiesen, deren Name ich geschwärzt habe, um nicht unnötig Werbung zu machen.

6.) International

In einem Facebookpost sieht sich die „Revolte auf Beton“ als Teil eines internationalen europäischen Befreiungskampfs, zu dem explizit Casa Pound Italia, Obóz Narodowo-Radykalny (ONR), Chrysí Avgí und Hogar Social Madrid zählen.

Casa Pound Italia:
Bei Casa Pound Italia, den laut Selbstbezeichnung „Faschisten des dritten Jahrtausends“, handelt es sich um eine Gruppierung, die eine enorme Ausstrahlungswirkung auf bspw. NPD, IB und militante Nazigruppen entfalten konnte [27]. Zum Aktionsrepotoire gehören u.A. Hausbesetzungen (ursprünglich), Kampfsportausbildung, Essensausgaben nach rassistischen Gesichtspunkten, Aufmärsche und Antritte zu Wahlen.
Äußerst lesenswerte Texte zu Casa Pound hat Heiko Koch verfasst: https://linksunten.indymedia.org/user/1714/blog

Hogar Social (Madrid):
Spanisches Analogon zu Casa Pound. In der Vergangeheit gab es gemeinsame Aufmärsche mit Casa Pound [25]. Die Bewegung wird unter anderem von Philipp Stein beworben. [26]

Obóz Narodowo-Radykalny:
Polnische Neofaschistische Partei, die Aufmärsche mit gewaltsuchenden Hools organisierte.

Chrysí Avgí:
Auch über die „Goldene Morgenröte ist an anderer Stelle [28] bereits geschrieben wurden.

7.) Sonstiges

Es gibt noch eine Reihe von Posts, die nicht klar in die obigen Kategorien fallen, aber trotzdem interessant sind: Die Gruppe ruft implizit zur Gewalt gegen politische Gegner_innen auf [29], hegt revisionistisches Gedankengut [30], huldigt dem philippinischen Autokraten Duerte [31], …
Besonderes Augenmerk sei zuletzt darauf gerichtet, dass der Holocaustleugner Horst Mahler als Vorbild erwähnt wird.

8.) Fazit

Wie bereits an anderen Stellen [1,16,20] eindrücklich gezeigt wurde, bestehen innerhalb der extremen Rechten Netzwerke, die verschiedene Akteur_innen miteinander verbinden. An dieser Stelle ist nur ein weiterer Beleg hinzugefügt wurden. Wenn allerdings Vertreter_innen der Identitären Bewegung sich einerseits mit vielen Worten von „altrechten“ Ideen abgrenzen, da sie ja „neurechts“ seien und zugleich mit Gruppen interagieren, die Bezüge in die miltante Naziszene aufweisen, dann ist dies Abgrenzung wertlos. Weiterhin wird klar deutlich, dass Verbindungen ist die militante Naziszene trotzdem Teil des „patriotischen“ Projekts EinProzent sein können.

Die Selbstbezeichnung „neurechts“ ist nur ein leere Begriff, der davon ablenken soll, dass die Protagonist_innen selbst einem kaum verhüllten völkischen Nationalismus anhängen.

Besondere Erwähnung verdient an dieser Stelle noch mals Philipp Stein, der ein wichtige Rolle in der Vernetzung zu spielen scheint.

[1] http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/die-story/video-das-braune-netzwerk-100.html
[2] http://archive.is/EKnPi
[3] http://archive.is/zelHt
[4] https://igstoppmissbrauch.wordpress.com/2016/08/19/npd-kreisverband-eichsfeld-betreibt-facebook-gruppe-gegen-kindesmissbrauch/
[5] https://linksunten.indymedia.org/de/node/134380
[6] https://associationprogres.wordpress.com/2014/06/03/heiligenstadt-tddz-infostand-kritisch-begleitet/
[7] http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/npd/artikel/im-visier-der-justiz-neue-ermittlungen-gegen-nazi-hipster-patrick-schroeder.html
[8] http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/der-iii-weg-eine-neue-rechtsextreme-kleinstpartei-9317
[9] https://www.aida-archiv.de/index.php/aktuelles-2/hintergrund/83-hintergrund-sueddeutschland/4128-mit-hitler-durch-plauen
[10] http://www.tagesspiegel.de/medien/fremdenfeindlichkeit-im-internet-rechte-karte-aus-dem-netz-genommen/12061912.html
[11] http://www.lvz.de/Region/Markranstaedt/Rechte-Demonstranten-ziehen-durch-Markranstaedt-linker-Gegenprotest
[12] https://de.indymedia.org/2011/11/319611.shtml
[13] https://twitter.com/MenschMerz/status/815855850380263424
[14] http://www.keine-stimme-den-nazis.org/index.php?option=com_content&task=view&id=6247
[15] http://archive.is/OJHaN
[16] http://vonnichtsgewusst.blogsport.eu/2016/10/29/erste-eindruecke-vom-europaeischen-forum-in-linz/
[17] http://antifalinkemuenster.blogsport.de/2015/11/18/hinter-dem-verein-volkshilfe-e-v-verbergen-sich-neonazis/
[18] http://www.mi.niedersachsen.de/aktuelles/presse_informationen/beantwortung-der-muendl-anfrage-der-gruenen-zum-osnabruecker-verein-volkshilfe-ev-141089.html
[19] http://archive.is/wQcIh
[20] https://noeflinz.noblogs.org/organisationen/jungeuropa-verlag/
[21] http://www.fr-online.de/politik/neonazi-camp-die--autonomen--nazis-sind-zurueck,1472596,34493114.html
[22] https://linksunten.indymedia.org/de/node/195757
[23] http://kaltland.blogsport.eu/bautzen/
[24] http://jungle-world.com/artikel/2016/38/54875.html
[25] https://linksunten.indymedia.org/it/node/180371
[26] https://twitter.com/rainerzufall_le/status/816393946502930433
[27] http://www.projekt-entgrenzt.de/node/54
[28] http://www.bayern.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Analysen/Analysen_Neonazistische_Mobilmachung.pdf
[29] http://archive.is/zO4kF
[30] http://archive.is/4FHNu
[31] http://archive.is/9S0QX


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