The Identitarian Wannabe-Pirates

With the possible aim to end the current stagnation [1] of the far-right Austrian identitarians, members of the French, Italian, Austrian and German branches of the group met in Sicily claiming the have blocked an humanitarian rescue vessel. (In fact their rubber dinghy was almost immediately confiscated by the local authorities.) After their „glorious“ mission the identitarians launched a campaign called „Defend Europe“, which aims at stopping refugees in the Mediterranean. At least the German speaking identitarian use anti-Semitic prejudices to mobilise the supporters of the Pegida-Movement and other far right groups.
Among the far-right activists in Sicily were Martin Sellner (head of the Austrian identitarians), his brother Thomas Sellner and Luca Kerbl (head of the identiarians Styria). The German identitarians were among others represented by Mario Alexander Müller. Müller heads the most active branch of the German identitarians, called Kontrakultur Halle. Besides being convicted for assault and battery, Müller shows strong ties to the Ukrainian fascists of Azow. [2] The group of Europeans was supported by the Canadian „journalist“ Laura Southern.
The campaign’s aim is allegedly to raise money for a far-right pirate mission. I personally define it as a pirate mission, since the explicitly stated goals (interfering with ongoing rescue missions, blocking other vessels, deporting accidentally „saved“ refugees to North Africa) constitute a breach of international maritime law. A short primer in international maritime law with focus on rescue missions for refugees can be found in [3].
After the fundraising campaign on kickstarter failed, due to violation of the platforms policy, a combined effort of German antiracist and antifascist groups and persons affiliated with the Sleeping Giants Movement persuaded PayPal and the banks used by the identitarians to terminate the contracts. On Saturday, 25 June 2017, the identitarians announced the use of bitcoins for donations. Caused by the lack of technological understanding of the target group the amount of donations was below the expectations. Therefore, the far-right activists switched to the crowd-funding platform wesearchr, which has ties to US far-right groups and promotes the spread of propaganda. [4]

On 26 June the Austrian identitarians claimed to have obtained a boat suitable for their pirate-style operations near the Libyan coast. Said video was recorded on 18 June in Berlin, the day after their march in Berlin, which was advertised in several European countries, failed. Currently there is no proof that is vessel actually exists. There are several indications, that the whole campaign is in fact a scam to enrich a couple of far-right activists like Martin Sellner.

At first they claimed to need 50,000€ a ridiculously low amount of money to conduct their whole mission. After claiming to have obtained a ship, they want to raise additional 80,000 US-$ on wesearchr for equipment and fuel. Without considering potential losses due to closed accounts the identitarians‘ claims of money raised amount to roughly 90,000€ (own estimates).
At least to activists monitoring the identitarians in Austria and Germany this sounds familiar: Sellner previously announced an app for racists called „Patriot Peer“ [1,5]. An unknown amount of money was collected to finance the app. But for months there were no further comments on the current status. It has to be suspected that the leadership of the identitarians scammed their own supporters.

Even if the identitarians do something at the Mediterranean some pictures taken on board a chartered vessel or even dinghy will most likely be the only remains of „Defend Europe“.

Last but not least: Apparently the whole campaign attracts other people to join the identitarians. At least one former German navy soldier volunteered for this pirate-style mission. Said former soldier expresses his sympathies for different far-right groups, including the openly fascist network “Revolte auf Beton” [6], the unconstitutional german political party NPD and the identitarians (especially their most aggressive German branch Kontrakultur Halle).

tl;dr: The identitarian pirate-style mission “Defend Europe” is quite likely to be a scam.

[1] http://vonnichtsgewusst.blogsport.eu/2017/05/14/avantgarde-oder-doch-eher-am-arsch-vom-freien-fall-der-identitaeren-bewegung-oesterreich/
[2] https://lsa-rechtsaussen.net/ein-identitaeres-haus-fuer-die-kontrakultur-halle/
[3] http://www.unhcr.org/487b47f12.pdf
[4] http://nymag.com/selectall/2017/05/chuck-johnsons-wesearchr-is-having-a-bit-of-a-meltdown.html
[5] https://linksunten.indymedia.org/de/node/204141
[6] http://purecoincidence.blogsport.de/2017/01/16/rechte-netzwerke-am-beispiel-von-revolte-auf-beton/

Im „rechten“ Facebook – Ein Erlebnisbericht

Nach der US-Präsidentschaftswahl war sie ja in aller Munde: Die Filterblase auf Facebook. Nicht aus journalistischer Neugierde sondern aus aktivistischer Faulheit (und Selbstschutz) bin ich in diese Filterblase eingetaucht. Im folgenden beschreibe ich lose meine Eindrücke und Beobachtungen, ohne allerdings eine Sammlung von Belegen zu präsentieren.

Was mir zuerst auffiel: Das „rechte“ Facebook ist eine, in meinen Augen krude Mischung aus gezielter Hetze, Verschwörungen, Werbung für Kleinunternehmen, aufreizenden Darstellungen gerade noch bekleideter Frauen und Single-Börse.

Posts einer Handvoll „etablierterer Akteur_innen“ wie Pegida, die Identitären oder auch der ehemalige Blood-&-Honour-Kader und Hassunternehmer Sven Liebich werden besonders stark innerhalb dieses losen Netzwerks aus Privataccount und Gruppen weitergereicht. Auch die (nicht-nur) virtuellen Netzwerke rund um „Wir für Deutschland“ oder „Wir lieben Sachsen/Thügida“ (mittlerweile Volksbewegung [hier Bundesland einsetzen]) sind in gewissen Maße beeindruckend. Zumindest im Fall von WLS/T scheinen Aktionen hauptsächlich für den Facebooklivestream stattzufinden. Aber zurück zu den Facebookeindrücken: Neben den etablierteren Accounts, die etliche Posts am Tag bringen und damit ihre Hetze verbreiten, gibt es auch kleinere Privataccounts, die mit mehreren Hundert Facebookfreunden eine gewisse Reichweite haben und deren Hetze von außerhalb des „rechten“ Facebook kaum zu bemerken ist.

Neben plumper rassistischer Hetze, spielt nach meinem Eindruck Antisemitismus eine wichtige Rolle als ideologischer Kitt zwischen verschiedenen Strömungen innerhalb der Facebook-Manifestation der radikalen Rechten. Bemerkenswert erscheint mir an dieser Stelle, dass auch für Personen aus dem Umfeld der NPD die Identitären als eine Art Hoffnungsträger stilisiert werden. Neben dem eigenem Antisemitismus der negiert wird, wird zum Teil wenige Stunden später vor antisemitischen Muslimen gewarnt.

Neben Merkel ist wenig überraschend Maas zum Feindbild im „rechten Facebook“ geworden. Als quasi-übermächtige Helfer von Maas wird die Amadeu-Antonio-Stiftung präsentiert. Das Level der Fanatisierung (und den grad der Abhängigkeit von Facebook) zeigt sich an Personen, die sich auf die Löschung ihres Accounts einstellen und sich als werdende Matyrer inszenieren. Um die Löschung zu umgehen, wurde in meiner Timeline ernsthaft diskutiert exzessiv Sonderzeichen und willkürlich gesetzte Leerzeichen zu verwenden, da es die automatisierte Erfassung durch die AAS unterlaufen würde. Ironischer Weise wurde der stärkste Verfechter dieser Strategie wenige Tage später temporär gesperrt. Alle Jubeljahre gibts den Aufruf sich einen Account auf dem russischen Netzwerk VK einzurichten, was tatsächlich dann wieder versandet. Dadurch, dass etliche Personen nicht mehr öffentlich posten, sondern nur noch für die Facebookfreunde einsehbar, scheinen die Hemmungen zu fallen. Gewaltdarstellungen, rassistisch motivierte Gewaltaufrufe, NS-Symbolik, wie Hakenkreuze? Alles kein Problem, zum Teil auch nicht mal für den Facebooksupport. (Die Hakenkreuze wurden allerdings gelöscht.) Die Sperrungen von Seiten hat durchaus kurzfristige Erfolge, jedoch gibt es mittlerweile die Gegenstrategie vorsorglich Backupseiten einzurichten und dann Facebookfreunde vorsorglich einzuladen. Bei Sven Liebichs Seiten lässt sich das ja auch ganz gut beobachten: Öffentliche Aufrufe Halle Leaks X+1 zu liken und bekannter zu machen.

Auch bei der Entstehung von Propagandalügen (oder wie es manchmal gern genannt wird „Fake-News“) bietet das „rechte“ Facebook Anschauungsmaterial: Ein sachlicher Medienbericht zur Einführung des Digitalrundfunk DAB+ wurde sinngemäß kommentiert, dass sich die neuen Radios bei Ansprachen von Merkel automatisch anschalten würden. Daraufhin brach sich einiges an Hass Bahn, dass man bereits in einer Diktatur lebe und es sich um die neuen Volksempfänger handeln würde. Nur im Artikel selbst, auf den sich alle bezogen und der dann als Quelle herumgereicht wurde, stand dazu rein gar nichts. Zugegeben war es eine der einfacheren Übungen. Etliche Hetzkampagnen, die auf Lügen basieren wurden bereits an anderer Stelle enttarnt (an dieser Stelle: Danke an Mimikama und Hoaxmap für die Arbeit). Eine recht beliebte Spielart scheint noch das Muster zu sein Videos von Polizeieinsätzen zu teilen und sich dann zu echauffieren, dass Merkel an allem Schuld wäre. Allerdings ist mir persönlich entgangen, dass die Landespolizeien oder die Bundespolizei in Deutschland Rückenschilder mit der Aufschrift „POLICE“ tragen.
Tatsächlich nicht überraschend, weil schon viele andere berichteten, aber dennoch eindrücklich: Verschiedene Polizeimeldungen mit vermeintlich nicht-deutschen Tätern zirkulieren, so dass sich der Eindruck zu gestiegener Unsicherheit und Kriminalität sicherlich leicht verfestigen kann.

Dass bekanntere rechte Kader auf Facebook Vorlieben für leicht bekleidete junge Frauen zeigen, ist schon bekannt. Mir persönlich war neu, dass es diverse Gruppen gibt, die letztlich nur aus Bildern bestehen, die wohl gerade so noch den Facebookrichtlinien entsprechen. In die häufig geschlossenen Gruppen wurde mein Profil schneller hinzugefügt, als ich austreten konnte. Teilweise waren es wohlmeinende „Kameraden“, die „mich“ hinzufügten. Neben den explizit auf Erotik ausgerichteten Gruppen, gibt es rechte Singlebörsen. Mit deren genauer Etikette hab ich mich allerdings weniger befasst.

Einige Accounts innerhalb des „rechten“ Facebooks sind mit verschiedenen Seiten verbunden, denen irgendeine Geschäftsidee zu Grunde liegen scheint. Neben der Werbung für eigene Produkte, gibt es Einladungen zu Veranstaltungen auf dem Firmengelände (ok, es gab nur eine und es war eine Art Gebrauchtwagenhändler) und die Seite des Unternehmens liken. Sven Liebich ist an dieser Stelle nur die Spitze des Eisbergs. Etliche andere versuchen auch ihr Einkommen innerhalb der Filterbubble aufzubessern. Hierbei handelt es sich aber so gut wie nie Hassunternehmer, wie eben Liebich, sondern um gefestigte Rassist_innen mit einem eher „gewöhnlichem“ Gewerbe, wie Gärtner, Autohändler, Schneiderinnen oder Videoverleihern.

Zurück zu den Gruppen: Häufig werden die rechten Facebookgruppen vom Stil WfD, Legida und wie sie alle heißen, durch einige wenige Leute bespielt: Admins und Kader, die ihre (anderen) Projekte bewerben wollen. Allerdings bin ich in diesen Gruppen auch auf Profile gestoßen, die der offen faschistischen Gruppierung „Revolte auf Beton“ zugerechnet werden können (ein ausführlicherer Artikel dazu findet sich im Blog). Innerhalb der Gruppen findet häufig ziemlich offen eine Vernetzung zur Bildung von Fahrgemeinschaften statt oder die Versuche eine Bürgerwehr zu gründen. (An dieser Stelle zeigt sich ganz eindeutig, dass viele Personen geographisch einfach zu weit verstreut leben, um nach Feierabend mit ihren Facebookfreunden noch Offline-Aktionen zu starten.)

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass das „rechte“ Facebook als eine Art Durchlauferhitzer fungiert, in dem neben allen Bizarrheiten wie exzessive Sonderzeichenverwendung und Singlebörsen klar Ideologien der Ungleichwertigkeit, Gewaltphantasien und der positive Bezug auf den Nationalsozialismus eine wichtige Rolle spielen. Garniert wird das ganze mit (antisemitischen) Verschwörungsideologien über NGOs, Parteien, einzelne Politiker_innen, die EU und was weiß ich nicht noch alles.

Thügida und die AfD

Bereits in vorherigen Blogeinträgen habe ich darauf hingewiesen, dass es gerade durch Uta Nürnberger (2014 Stadtratskandudatin der AfD Leipzig) Verbindungen zwischen AfD und „Wir lieben Sachsen/Thügida“ gibt. [1,2] Da Uta Nürnberger Vorstandsmitglied im „Thügida & Wir lieben Sachsen e.V.“ ist [2], lohnt es sich gerade diese Personalie näher zu betrachten.

Nürnberger trat im Oktober 2016 als Rednerin bei einer Demonstration von „Wir lieben Sachsen/Thügida“ in Dresden auf und wurde als Mitglied der Patriotishcen Plattform und der AfD angekündigt. Auf der Facebookpropagandaseite „SACHSEN DEPESCHE“ wurde Hans-Thomas Tillschneider damit zitiert, dass Nürnberger nicht mehr AfD-Mitglied wäre und auch nicht mehr Mitglied der Patriotischen Plattform.

Was offensichtlich die Unwahrheit sein muss, da Nürnberger am 7.12.2016 ein auf den Vortrag datiertes Schreiben über die Facebookseite von „WLS/T“ veröffentlichte, in dem sie über ihren Ausschluss aus der Patriotischen Plattform informiert wurde. Als einer der Auschlussgründe wurde ihr Auftritt bei der Demo in Dresden angegeben. (Funfact: Unterzeichnet und versendet wurde das Schreiben durch Felix Koschkar, ein Kader der „Identitären Bewegung“.)

Unter einem Post des AfD-Mitglieds Arvid Samtleben diskutierte Nürnberger mit ihrem Facebookprofile „Eleonore Prochaska“, ob sie zu einer Mitgliederversammlung der AfD Sachsen fahren dürfe. Ihr wird nahelegt dies nicht zu tun, damit Frauke Petry nicht ausrastet. Da eine Nicht-Mitgliedschaft Nürnbergers nicht thematisiert wird, ist es möglich, dass Tillschneider auch in diesem Punkt log.

Zum Beleg, dass es sich bei Eleonore Prochaska um Uta Nürnberger handelt, sei hier das Facebookprofilbild von Eleonore Prochaska dokumentiert, welches Nürnberger bei verschiedenen Auftritten bei Thügida zeigt.

Doch nicht nur Nürnbergers Person belegt die Versuche von Thügida (gemeint ist hier das gesamte Konglomerat von Gruppierungen) Nähe zur AfD zu suchen. Am 11.11.2016 hielt Thügida eine Kundgebung vorm Thüringer Landtag in Erfurt ab. In seiner Rede erging sich David Köckert in Phantasien, was alles im Falle einer Diktatur passieren würde, sprich „wenn wir an der Macht sind“: Alle Politiker_innen würden inhaftiert werden, außer die AfD um Björn Höcke. [eigene Erinnerung] Außerdem bezeichnete er die AfD als den parlamentarischen Arm, während Thügida der Arm auf der Straße wäre. [3,4,5]

Am 4.2.2017 besuchten außerdem Vorstandsmitglieder des „Thügida & Wir lieben Sachsen e.V.“ eine AfD-Bürgersprechstunde und posierten mit dem lokalen Kreisvorsitzenden.

Besondere Brisanz hat diese Nähe seit dem 4.2.2017 mit der Gründung der „Freiheitlich-Patriotischen Alternative“ in Thüringen, ein Flügel der AfD, der sich von der „immer lahmer werdenden Patriotischen Plattform“ abheben will und sich als eine Art rechtes Korrektiv zur Patriotischen Plattform sieht. Im Vorstand der FPA befinden sich unter anderem AfD-Stadtrat Norbert Mayer aus Freital und Rechtsanwalt Roland Ulbrich. [6] Roland Ulbrich trat als Redner bei Legida und zusammen mit Markus Johnke im „Legoida Live Talk“ auf. [7] Außerdem wird Ulbrich eine Nähe zur gescheiterten Bürgerwehr Leipzig um den Querfrontaktivisten und Reichsideologen René Mahlig nachgesagt. [8]
Die Gründung und insbesondere die Vorstandseigenschaft von Uta Nürnberger werden von Thügida als äußerst positiv wahrgenommen. Außerdem sei nur durch die FPA eine Kooperation zwischen der AfD und den Pseudobürgerinitiativen, wie Thügida möglich.

Als Reaktion auf die Gründung erklärte Arvid Samtleben seinen Austritt aus der Patriotischen Plattform. [9]
Auf der Facebookseite von Roland Ulbrich wurde ein Bild des Vorstandes gepostet und das Resultat war eine Debatte in den Kommentaren. Besonders zwei Kommentare möchte ich hervorheben: Einmal gratuliert Alt-Hool und WLS/T-Begründer Silvio Rösler zur Gründung und außerdem übt Tillschneider Kritik. Tillschneider behauptet, dass den Gründern die PP zu „identitär“ und zu „ethnopluralisitisch“ gewesen wäre und andererseits die Abgrenzung zu Thügida gestört hätte. Vermutlich liegt hier die Hauptursache für die Gründung der FPA: Ein kritisches Beäugen der Aktionsformen der Identitären Bewegung und gleichzeitig starke Unterstützung für die völkuisch-nationalistische Gruppierung Thügida um die Nazis Kurth und Köckert.

Auf der kürzlich stattgefundenen Mitgliederversammlung des „Thügida & Wir lieben Sachsen e.V.“ hielt Uta Nürnberger ein Referat über die AfD. Die Veröffentlichung bleibt jedoch abzuwarten.

Zum Abschluss sollte noch erwähnt werden, dass Thügida das Verwenden der LTI durch Poggenburg und Höcke öffentlich unterstützt und bspw. die Soli-Unterschriftensammlung für Höcke bewarb. Weiterhin wurde das Kontaktverbot der GdP Thüringen zu Höcke, über welches der Focus berichtete geteilt.

[1] http://purecoincidence.blogsport.de/2016/08/12/naziconnections-der-afd-leipzig-uta-nuernberger/
[2] http://purecoincidence.blogsport.de/2016/09/19/wir-lieben-sachsenthuegida-ein-ueberblick/
[3] https://twitter.com/henfling_m/status/797026491129282560
[4] https://linksunten.indymedia.org/de/node/196590
[5] http://sabotnik.blogsport.de/2016/11/11/11-11-um-1111-uhr-neonazistischer-karneval-in-erfurt/
[6] http://www.tagesspiegel.de/politik/hoecke-fluegel-gegen-die-afd-chefin-revolte-in-der-heimat-von-frauke-petry/19351492.html
[7] http://www.sechel.it/legida-mit-afd-support-viele-blockaden-radikale-linke-zeigt-geschlossenheit/
[8] https://nowehrle.noblogs.org/post/2016/03/03/wer-ist-der-burgerwehranwalt-eine-spurensuche/
[9] https://twitter.com/bonobubu/status/828616354655768577

Rechte Netzwerke – am Beispiel von „Revolte auf Beton“

Recherchen des Westdeutschen Rundfunks haben die personellen Netzwerke zwischen NPD, AfD und Identitärer Bewegung (IB) für Teile der Öffentlichkeit deutlich präsentiert. [1] Exemplarisch lässt sich anhand der Gruppe „Revolte auf Beton“ nachvollziehen, dass es rechte Netzwerke, in denen neben NPD und IB auch EinProzent, die offen NS-verherrlichende Partei „Der III. Weg“, Philipp Stein und militante Nazigruppen miteinander verbunden sind, gibt. Weiterhin suchen diese Netzwerke die Zusammenarbeit mit offen faschistischen Gruppierungen wie Casa Pound oder Chrysí Avgí (Goldene Morgenröte/Golden Dawn). Dabei treten die Personen nicht besonders klandestin auf und die Netzwerkbildung geschieht letztlich zu wesentlichen teilen unter unseren Auge auf Facebook, Twitter oder Instagram.

Ausgehend von ein paar Beobachtungen eines Twitterer, nahm ich den Onlineauftritt dieser Gruppe näher unter die Lupe. Die jeweiligen Bezüge werden in gesonderten Abschnitten aufgedröselt. Zwar gibt es zwischen bspw. III. Weg und militanter Naziszene Überschneidungen, aus Gründen der Übersichtlichkeit wird jedoch diese künstliche Trennung beibehalten werden.

Gemäß der Selbstbeschreibung [2,3] handelt es sich bei „Revolte auf Beton“ um völkische Nationalisten, die zwischen verschiedenen „Lagern und Anschauungen“ der politischen Rechten vermitteln will. So heißt es deshalb: „Vielleicht sind wir Konservative, vielleicht Sozialisten. Vielleicht sind wir Reaktionäre, vielleicht sind wir Revolutionäre.“

Gliederung
1.) NPD
2.) III. Weg
3.) IB
4.) EinProzent & andere „Neurechte“
5.) Militante Naziszene
6.) International
7.) Sonstige Bezüge
8.) Fazit

1.) NPD
„Revolte auf Beton“ besitzt mit „Gemeinschaft durch Tatwille“ eine offizielle Facebookgruppe.

Mitglieder dieser Facebookgruppe sind unter anderem der stellvertretende Vorsitzende der NPD Eichsfeld und Stadtrat Matthias Fiedler.

Fiedler ist u.A. Admin einer vorgeblichen Seite gegen Kindesmissbrauch, die jedoch der Verbreitung rassistischer Inhalte dient. [4] Außerdem war er Teilnehmer des Kasseler Pegidaablegers Kagida [5] und warb für den Naziaufmarsch „Tag der deutschen Zukunft 2014″ [6]. Fiedler ist übrigens auch in der eingangs erwähnten WDR-Reportage zu sehen.
Ein weiterer NPD-Kader, dem „Revolte auf Beton“ „gefällt“, ist Patrick Schröder.

Schröder ist Betreib des FSN.tv und FSN-Versand, einschlägig vorbestraft und gilt als Prototyp des Nipster. [7]
Neben Fiedler und Schröder interagiert auch der NPD-Kreisrat Manuel Tripp mit der Seite.

Tripp war zunächst Stadtrat in Geithain und unterhält gute Kontakte in die Kameradschaftsszene, da er maßgeblich am Aufbau des „Freien Netz“ beteiligt war. [11,12]

Vermutlich gibt es weitere NPD-Kader im Umfeld, jedoch habe weitere Namen nicht erkannt.

2.) Der III. Weg

Der III. Weg ist eine rechtsradikale Kleinpartei, die starke inhaltliche Nähe zur NPD aufweist und als möglicherweise legale Fortführung des Freien Netz Süd konzipiert war. [8] Auf den Demos dieser Partei lässt sich offene Verherrlichung des Nationalissozialismus beobachten. [9] Weiterhin ist die Partei Urheberin der berüchtigten Karte, welche sämtliche Unterkünfte für Geflüchtete verzeichnen wollte. [10]
Sich selbst bezeichnet die Partei als „nationalrevolutionär“ und stellt „Revolte auf Beton“ ausführlich vor und interviewt die Gruppe.

3.) IB

Zwar grenzen sich die Kader von IB wortreich von Gewalt und militanter Neonaziszene ab, jedoch scheinen sie abseits von öffentlichen Verlautbarungen weniger Probleme damit zu haben.

Verglichen mit den beiden zuvor genannten Parteien sind die (gegenseitigen) Bezugnahmen im Fall der IB deutlich ausgeprägter.



Verschiedene Kader der IB folgen auf Instagram „Revolte auf Beton“ darunter sind: Dorian Schubert („dorianschub“, Kontrakultur Halle), Julian Utz („heimatwacht“ [13], IBÖ, Mitglied Theoriegruppe) und Alina Wychera („alina.rauheneck“, IBÖ). Außerdem scheint „Revolte auf Beton“ ebenfalls Interesse an Kadern der IB zu haben, da sie neben der IBÖ, der IB Tschechien und dem Kontrakultur-Halle-Projekt „Laut Gedacht“ auch einzelnen Kadern folgt.


Zusätzlich zu den genannten Kadern folgt „Revolte auf Beton“ auf Instagram noch Philipp Huemer („philipp_ib“, IBÖ), Patrick Lenart, („patrick_len“, Kovorsitzender IBÖ), Martin Sellner (IBÖ), Philipp Thaler (Kontrakultur Halle), Alex Malenki (Kontrakultur Halle, IB Leipzig) und Melanie Schmitz („mimiforgeronne“, Kontrakultur Halle).

Mit Armin Fuhrmann ist der Leiter der IB Westfalen Mitglied der Facebookgruppe.

Weiterhin aufschlussreich ist folgender Post der „Revolte auf Beton“. Hier werden IB, die italienischen Faschisten von Casa Pound (dazu später mehr) und Pegida als Verbündete der Gruppe im imaginierten Kampf um Europa dargestellt.

4.) EinProzent und andere „Neurechte“

Wie das Hamburger Bündnis gegen Rechts öffentlich machte, war Revolte auf Beton zumindest für eine gewisse Zeit Teil der Netzwerke von EinProzent um Götz Kubitschek, Philipp Stein und weiteren. [14]

Bei Betrachtung der Facebookseite fällt zunächst der Header auf, dabei handelt es sich um ein Auftragswerk von „Wolf PMS“. Dieser Künstler wird auch nochmals explizit auf der Facebookseite beworben. Interessant hierbei ist, dass er Speaker auf dem Europäischen Forum Linz war [15], einem Vernetzungstreffen der extremen Rechten von IB über NPD zur FPÖ. [16] Wolf PMS unterstütze auch den Volkshilfe e.V. mit seinen Werken [19]. Der Verein versucht karikative Arbeit von rechts zu machen [17] und rekrutiert sich nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums aus Personen, die den Autonomen Nationalisten zuzuordnen sind. [18]

Weiterhin bewirbt Revolte auf Beton den Jungeuropa Verlag von Philipp Stein aus Dresden, der ebenfalls beim Europäischen Forum in Linz teilnahm. [20] Gleichzeitig bewirbt der Jungeuropa Verlag Revolte auf Beton.


5.) Militante Naziszene

Neben den Bezügen zu so genannten „Neurechten“, wie Kubitschek, Stein oder der IB und den Bezügen zu rechten Parteien, wie NPD und Der III. Weg, gibt es auch Anknüpfungspunkte in die nicht-parteigebundene militante Naziszene.

Beispielsweise verkauft Revolte auf Beton über den Onlineshop Revoltopia Merchandise und bewirbt die Facebookpräsenz dieses Versandes.


Andere Produkte, die dort verkauft werden sind Plakate und Broschüren des Antikapitalistischen Kollektives. Dabei handelt es sich um eine Form der Autonomen Nationalist_innen, der auf Aufmärschen äußerst gewaltsuchend agiert. [21]

Konkret scheint Revolte auf Beton insbesondere mit folgenden Nazigruppen zu interagieren: Nipster-Blog, Stream-BZ

Bei Aktionsblog finden sich positive Bezüge auf den NS und speziell den Straßenterror der SA während der Weimarer Republik. Diese Gruppe orientiert sich stilistisch am „Rechten Plenum“ aus Chemnitz. Als Leseempfehlung dazu das Komplettouting [22]. Ein Mitglied der Chemnitzer Gruppe Rechtes Plenum folgt Revolte auf Beton bei Instagram unter dem Namen „luxmaedchen“. (siehe Screenshots unter „IB“)

Stream-BZ ist eine der Gruppen, die in Bautzen an der Schaffung einer „national befreiten Zone“ arbeiten und direkt an den Übergriffen gegen Linke und Geflüchtete im September und auch darüber hinaus beteiligt waren. [23,24]

Die Veröffentlichung von Sicherheitshinweisen durch Revolte auf Beton legt Nahe, dass es nicht ausschließlich um eine Vermittlung der Theorie geht, sondern auch um praktische Tipps für aktionistische Gruppen. Hierbei wird auf eine entsprechende Seite verwiesen, deren Name ich geschwärzt habe, um nicht unnötig Werbung zu machen.

6.) International

In einem Facebookpost sieht sich die „Revolte auf Beton“ als Teil eines internationalen europäischen Befreiungskampfs, zu dem explizit Casa Pound Italia, Obóz Narodowo-Radykalny (ONR), Chrysí Avgí und Hogar Social Madrid zählen.

Casa Pound Italia:
Bei Casa Pound Italia, den laut Selbstbezeichnung „Faschisten des dritten Jahrtausends“, handelt es sich um eine Gruppierung, die eine enorme Ausstrahlungswirkung auf bspw. NPD, IB und militante Nazigruppen entfalten konnte [27]. Zum Aktionsrepotoire gehören u.A. Hausbesetzungen (ursprünglich), Kampfsportausbildung, Essensausgaben nach rassistischen Gesichtspunkten, Aufmärsche und Antritte zu Wahlen.
Äußerst lesenswerte Texte zu Casa Pound hat Heiko Koch verfasst: https://linksunten.indymedia.org/user/1714/blog

Hogar Social (Madrid):
Spanisches Analogon zu Casa Pound. In der Vergangeheit gab es gemeinsame Aufmärsche mit Casa Pound [25]. Die Bewegung wird unter anderem von Philipp Stein beworben. [26]

Obóz Narodowo-Radykalny:
Polnische Neofaschistische Partei, die Aufmärsche mit gewaltsuchenden Hools organisierte.

Chrysí Avgí:
Auch über die „Goldene Morgenröte ist an anderer Stelle [28] bereits geschrieben wurden.

7.) Sonstiges

Es gibt noch eine Reihe von Posts, die nicht klar in die obigen Kategorien fallen, aber trotzdem interessant sind: Die Gruppe ruft implizit zur Gewalt gegen politische Gegner_innen auf [29], hegt revisionistisches Gedankengut [30], huldigt dem philippinischen Autokraten Duerte [31], …
Besonderes Augenmerk sei zuletzt darauf gerichtet, dass der Holocaustleugner Horst Mahler als Vorbild erwähnt wird.

8.) Fazit

Wie bereits an anderen Stellen [1,16,20] eindrücklich gezeigt wurde, bestehen innerhalb der extremen Rechten Netzwerke, die verschiedene Akteur_innen miteinander verbinden. An dieser Stelle ist nur ein weiterer Beleg hinzugefügt wurden. Wenn allerdings Vertreter_innen der Identitären Bewegung sich einerseits mit vielen Worten von „altrechten“ Ideen abgrenzen, da sie ja „neurechts“ seien und zugleich mit Gruppen interagieren, die Bezüge in die miltante Naziszene aufweisen, dann ist dies Abgrenzung wertlos. Weiterhin wird klar deutlich, dass Verbindungen ist die militante Naziszene trotzdem Teil des „patriotischen“ Projekts EinProzent sein können.

Die Selbstbezeichnung „neurechts“ ist nur ein leere Begriff, der davon ablenken soll, dass die Protagonist_innen selbst einem kaum verhüllten völkischen Nationalismus anhängen.

Besondere Erwähnung verdient an dieser Stelle noch mals Philipp Stein, der ein wichtige Rolle in der Vernetzung zu spielen scheint.

[1] http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/die-story/video-das-braune-netzwerk-100.html
[2] http://archive.is/EKnPi
[3] http://archive.is/zelHt
[4] https://igstoppmissbrauch.wordpress.com/2016/08/19/npd-kreisverband-eichsfeld-betreibt-facebook-gruppe-gegen-kindesmissbrauch/
[5] https://linksunten.indymedia.org/de/node/134380
[6] https://associationprogres.wordpress.com/2014/06/03/heiligenstadt-tddz-infostand-kritisch-begleitet/
[7] http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/npd/artikel/im-visier-der-justiz-neue-ermittlungen-gegen-nazi-hipster-patrick-schroeder.html
[8] http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/der-iii-weg-eine-neue-rechtsextreme-kleinstpartei-9317
[9] https://www.aida-archiv.de/index.php/aktuelles-2/hintergrund/83-hintergrund-sueddeutschland/4128-mit-hitler-durch-plauen
[10] http://www.tagesspiegel.de/medien/fremdenfeindlichkeit-im-internet-rechte-karte-aus-dem-netz-genommen/12061912.html
[11] http://www.lvz.de/Region/Markranstaedt/Rechte-Demonstranten-ziehen-durch-Markranstaedt-linker-Gegenprotest
[12] https://de.indymedia.org/2011/11/319611.shtml
[13] https://twitter.com/MenschMerz/status/815855850380263424
[14] http://www.keine-stimme-den-nazis.org/index.php?option=com_content&task=view&id=6247
[15] http://archive.is/OJHaN
[16] http://vonnichtsgewusst.blogsport.eu/2016/10/29/erste-eindruecke-vom-europaeischen-forum-in-linz/
[17] http://antifalinkemuenster.blogsport.de/2015/11/18/hinter-dem-verein-volkshilfe-e-v-verbergen-sich-neonazis/
[18] http://www.mi.niedersachsen.de/aktuelles/presse_informationen/beantwortung-der-muendl-anfrage-der-gruenen-zum-osnabruecker-verein-volkshilfe-ev-141089.html
[19] http://archive.is/wQcIh
[20] https://noeflinz.noblogs.org/organisationen/jungeuropa-verlag/
[21] http://www.fr-online.de/politik/neonazi-camp-die--autonomen--nazis-sind-zurueck,1472596,34493114.html
[22] https://linksunten.indymedia.org/de/node/195757
[23] http://kaltland.blogsport.eu/bautzen/
[24] http://jungle-world.com/artikel/2016/38/54875.html
[25] https://linksunten.indymedia.org/it/node/180371
[26] https://twitter.com/rainerzufall_le/status/816393946502930433
[27] http://www.projekt-entgrenzt.de/node/54
[28] http://www.bayern.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Analysen/Analysen_Neonazistische_Mobilmachung.pdf
[29] http://archive.is/zO4kF
[30] http://archive.is/4FHNu
[31] http://archive.is/9S0QX

Wie „identitär“ gibt sich die Germania Leipzig?

Darüber, dass die Burschenschaft Germania Leipzig rechtsaußen steht, ist schon geschrieben worden. So gibt es übereinstimmende Berichte über einen Deckenleuchter, in Form des pseudo-germanischen Kunstsymbols der „Schwarzen Sonne“, welches auf die SS zurückgeht, sowie über die Verbindungen zu NPD, Kameradschaftsszene und dem Umfeld der Zeitschrift „Blaue Narzisse“. [1,2,3]
Über mögliche personelle Verbindungen zur Identitären Bewegung, die sich beispielsweise in Halle [4,5], aber auch in Österreich sehr stark aus Burschenschaftlern rekrutiert, kann in diesem Text keine Auskunft gegeben werden. Viel mehr handelt es sich um eine Betrachtung der Facebookseite und der Internetseite der Germania Leipzig. Die Untersuchung wird in fünf Teile gegliedert:

1) Offene Bezugnahmen auf die IB
2) Sprachliche Gemeinsamkeiten
3) Gemeinsame Idole
4) Weitere Parallelen
5) Fazit

In Teilen dient als Vergleichsgrundlage das Buch „Die Identitären – Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa“ von Bruns, Glösel und Strobl in der zweiten Auflage, erschienen im Unrast-Verlag.

1) Offene Bezugnahmen auf die IB
Am 20. Oktober 2015 veröffentlichte die Burschenschaft Germania Leipzig einen Text, der auf den sogenannten Pegidageburtstag am Vortag bezug nahm. Im entsprechenden Text wird Pegida als eine Art vorrevolutionäres Moment gedeutet. Am Ende des Beitrags wird die Internetseite der Kontrakultur Halle verlinkt, sowie zur Illustration des Artikels ein Bild eines Transparents der KK verwendet, welches möglicherweise auf eben jenem „Pegidageburtstag“ entstand.

Die Likes durch die Facebookseite der Germania lassen sich als bewusste Verortung der Verbindung selbst interpretieren. So „gefallen“ der Germania diverse Ableger der IB, darunter auch, der mittlerweile aufgelöste Chemnitzer Ableger und der wirtschaftliche Arm der IBÖ, „Phalanx Europa“.

2) Sprachliche Gemeinsamkeiten

Besonders ins Auge fällt das Engagement der Germania Leipzig gegen einen „Großen Austausch“, ein Narrativ, welches auf ein Werk von Renaud Camus zurückgeht und insbesondere in Kreisen der IB Verbreitung findet. (Allerdings auch darüber hinaus.)

Auch die Ablehnung der Gleichberechtigung nicht-heterosexueller Menschen, verortet die Germania, Leipzig in den rechtsradikalen Dunstkreisen, in denen sich auch die IB tummelt.

3) Gemeinsame Idole

3.1 Theoretiker_innen der „Konservativen Revolution“

Auf ihrer Internetseite bezieht sich die Germania Leipzig auf den Autor der konservativen Revolution Ernst Jünger. Dabei wurde ein Bild von Deutschlandfahnen während der ersten Legida-Demo mit einem Zitat aus Jüngers Werk „Waldgang“ versehen. Nebenbei sei bemerkt, dass die Legidaabspaltung „Offensive für Deutschland“ eben jenes Bild als Facebookprofilbild führt (Stand Dezember 2016).


Die Selbstverortung der Germania mittels Facebooklikes zeigt eine Affinität zu Oswald Spengler, Ernst Jünger, Arthur Moeller van den Bruck oder dem Rechtsterroristen Ernst von Salomon. Die, nach Bruns, Glösel und Strobl, als „prä-identitär“ zu verstehenden Gruppe „Der Funke“, welche übrigens durch die Germania geliket wird, weist ebenfalls eine sehr hohe Affinität zur „konservativen Revolution“ auf, die noch stärker als bei der IB nach außen kommuniziert wird. Insbesondere Spengler gehört zu den Vertretern der Konservativen Revolution, welche von der IB gern auf Testimonials dargestellt werden.


3.2 Dominique Venner

Wie Bruns, Glösel und Strobl schreiben, war Venner einer der Gründer des französischen neurechten Thinktanks GRECE und damit innerhalb der neurechten Szene prägend. 2013 verbrannte sich Venner in der Kirche Notre Dame in Paris als Märtyrer im Kampf gegen die Homosexualität. Sogleich wurde und wird er von den Identitären posthum insbesondere auf Social Media-Plattformen verehrt. Die Germania hat sich mit entsprechenden Sharepics ebenfalls sehr positiv auf Venner bezogen.

4) Weitere Parallelen

Ebenso wie andere Burschenschaften und neurechten Gruppen, sucht die Germania die Nähe zum Netzwerk von Götz Kubitschek.

Ebenso wie andere pflegt die Germania Leipzig zwei wichtige neurechte Narrative: Den drohenden Bürgerkrieg, auf den man sich vorzubereiten habe und das Widerstandsrecht, welches aus dem Grundgesetz hergeleitet wird.

Die Germania bewirbt Bücher des Arktos-Verlages, der als neurechts eingeschätzt werden kann, ein Lambda als Logo hat und laut Bruns, Glösel und Strobl die dünne programmatische Schrift über die IB von Markus Willinger verlegt.

5) Fazit

Die Burschenschaft Germania Leipzig zeigt mit ihren Auftritten auf Facebook und ihrer Website, dass sie fest im rechten Spektrum verankert ist. Keinen Eingang in die Betrachtung haben Bezugnahmen auf revisionistisches Gedankengut, wie Deutschland in den Grenzen von 1937, die Feier der Reichsgründung 1871 oder die Glorifizierung der Rechtsterroristen, die Rathenau erschossen. In meinen Augen verzichte die IB auf allzu offene Bezugnahmen auf die Zeit des NS und die Rechtsterroristen der Weimarer Republik. Verglichen mit den älteren Berichten über NS-Symbolik [1,2,3], scheint die Germania sich in den letzten Jahren stärker an der IB zu orientieren. Ob sich die IB Leipzig tatsächlich aus Mitgliedern der Germania Leipzig rekrutiert kann nicht abschließend bestätigt werden. Jedoch fordert in meinen Augen eine politische Auseinandersetzung mit der IB auch eine Auseinandersetzung mit burschenschaftlichen Strukturen.

[1] https://ghgle.wordpress.com/2012/06/28/inside-germania-leipzig/
[2] http://publikative.org/2010/07/10/leipziger-burschenschafter/
[3] http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/die-schwarze-sonne-faelschlicherweise-germanische-herkunft-zugesagt
[4] https://hosenrunter.noblogs.org/?page_id=55#Kontrakultur
[5] https://nohalgida.wordpress.com/2016/10/11/kontrakultur-halle-und-die-immatrikulationsfeier-der-uni-halle/



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